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Und noch einmal: Band Of Joy PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Four Symbols   
Montag, den 02. August 2010 um 21:31 Uhr

Hier noch ein weiterer Artikel zum neuen Album von Robert Plant, den ich in den Tiefen des Internet ausgegraben habe:

Als Robert Plant Anfang 2009 den Grammy in der Kategorie „Album des Jahres“ für „Raising Sand“ gewann und obendrein noch vier weitere Grammys für sein mit der Bluegrass-Sängerin Alison Krauss aufgenommenes Album in Empfang nehmen konnte, wurde eine Sache, die so oder so schon auf der Hand lag, noch einmal ganz offiziell und feierlich bestätigt: Dass er zu den wenigen Musikern seiner Generation zählt, die auch nach so vielen Jahren im Geschäft noch genauso hungrig und experimentierfreudig sind wie zu Beginn der Karriere.

Für den Nachfolger von „Raising Sand“ hat er nun eine neue Gruppe von Musikern um sich versammelt und für dieses Projekt den Namen jener Combo wieder ausgegraben, in der er schon vor seinen Erfolgen mit Led Zeppelin (in den späten Sechzigern) spielte: „Band Of Joy“. Mit dieser Band präsentiert er Songs aus unterschiedlichsten Genres im neuen Gewand – unter anderem von den Roots-Rockern Los Lobos, dem britischen Gitarren-Genie Richard Thompson, der R&B-Sängerin Barbara Lynn, dem Indie-Trio Low aus Minnesota, dem inzwischen legendären Townes Van Zandt oder auch von Bascom Lamar Lunsford, dem „Minstrel of the Appalachians“, der einst mit seinem Banjo durch die Welt zog. Eine entscheidende Rolle bei den Aufnahmen spielte der Gitarrist und Co-Produzent Buddy Miller aus Nashville, mit dem sich Plant während der Tour zum „Raising Sand“-Album angefreundet hatte.

 

„Während ich mit Alison auf Tournee war, haben Buddy und ich uns andauernd über Musik unterhalten. Mir wurde dabei irgendwann klar, dass ich den Begriff ‘Nashville’ gar nicht so genau definieren konnte, weil so viele Dinge in diese Kategorie fallen. Es war wunderschön zu sehen, wie Buddy immer wieder das klangliche Spektrum erweiterte: Er bewegte sich bis zum Rockabilly der fünfziger Jahre zurück, zu den Gesängen der Fischerleute oder den ganz großen Country-Aufnahmen, und natürlich haben wir auch Soul und R&B aus Memphis nicht ausgelassen, was den absoluten Gegenpol zum ‘weißhäutigen Sound’ von Nashville darstellt. Er kann so spielen wie all die ganzen Legenden: Hubert Sumlin, Chet Atkins, ganz egal. Und damit meine ich gar nicht mal nur sein unglaubliches Können, sondern vielmehr dieses tiefe Gefühl, das dabei mitschwingt. Ohne Buddy hätte ich dieses Album niemals aufnehmen können. Sein unvergleichlicher Ansatz und sein Geschmack ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte LP.“

 

Und Miller, der als Gitarrist seit rund einem Jahrzehnt in der Band von Emmylou Harris glänzt, war es auch, der alle weiteren Musiker für die „Band Of Joy“ vorschlug: Multiinstrumentalist Darrell Scott (Mandoline, Gitarre, Akkordeon, Banjo, Pedal-Steel- und Hawaii-Gitarre) unterstützt Buddy an den Saiteninstrumenten, während beide Gitarristen auch am Mikrofon in Aktion treten. Die Country-Sängerin Patty Griffin hat sich extra eine Auszeit von ihrer Solokarriere genommen, um den Gegenpart zu Plants Lead-Vocals beizusteuern. Als nächstes ist mit Byron House einer der begehrtesten Bassisten von Nashville, der schon mit Emmylou, Dolly Parton, Linda Ronstadt, Jorma Kaukonen und den Dixie Chicks im Studio war, mit von der Partie. Und schließlich wäre da noch der Schlagzeuger Marco Giovino, der sich mit Country genauso gut auskennt wie mit Rock, und der schon mit so unterschiedlichen Künstlern wie Norah Jones, Southside Johnny und John Cale gespielt hat, bevor er einen Stammplatz in Patty Griffins Band bekam.

 

„Das ganze Geklapper und Getöse, das Marco während der Sessions am Schlagzeug veranstaltet hat, zeigt, dass er sich sehr viel Gedanken über die einzelnen Stücke gemacht hat“, sagt ein sichtlich beeindruckter Plant über den Schlagzeuger. „Selbst dieses Tambourin, das man so nur aus irgendwelchen kirchlichen Veranstaltungen kennt, hat er ausgegraben und es immer wieder eingestreut. Dieser Rhythmus geht sofort ins Blut und in die Beine.“

 

„Und es ist auch vollkommen egal, wenn alles zwischenzeitlich ein wenig aus dem Ruder läuft, wenn man es schafft, sich nach anderthalb Minuten wieder am Riemen zu reißen“, sagt er weiterhin. „Eine Sache, die ich von nordafrikanischer Musik gelernt habe, ist folgendes: Es geht nicht darum, immer absolut präzise zu spielen. Stattdessen geht es darum, ein Spannungsfeld innerhalb des Songs zu kreieren, eine Art Flirren, was auch bedeutet, dass die Grenzen keineswegs fest gesteckt sind. Es war toll zu sehen, dass ich das alles gar nicht in Worte fassen musste: Jedem im Studio war so oder so klar, dass der Sound sein Eigenleben haben und gewissermaßen frei in der Luft hängen musste.“

 

Die Aufnahmen für Plants neues Album fanden im Woodland Studio statt, das seit den Siebzigern ein wichtiger Teil der Nashville-Szene ist und von den momentanen Betreibern Gillian Welch und David Rawlings vor dem Untergang bewahrt wurde. Und selbst wenn Plants Name vor dem Titel „Band Of Joy“ auftaucht, beweist schon ein flüchtiges Anhören, dass es sich bei diesen Aufnahmen um ein Gemeinschaftsprojekt handelt, das vor allem darauf basiert, dass sich hier eine Hand voll Musiker getroffen haben, die ein und dieselbe Vision haben. „Mir hat die Arbeit am Album unfassbar viel Spaß gemacht: Diese Leichtigkeit, die in der Luft lag, hat sich einfach wahnsinnig gut angefühlt“, erinnert er sich. „Und genau dieses Gefühl wollte ich auch auf der Platte einfangen. Wenn man schon so lange dabei ist wie ich, ist es einfach spannend, wenn man sich ein paar Leute ins Boot holt und sie auch mal das Ruder übernehmen lässt. Wenn diese Leute dann auch noch so gut wie Buddy, Patty und Darrell sind, kann gar nichts mehr schief gehen. Überhaupt hatte ich mir dieses Mal zum Ziel gesetzt, dass das Resultat wie eine kollektive Gesangs-Session klingt, bei der vier Stimmen einfach loslassen und zu einer Einheit verschmelzen.“

 

Das Ergebnis dieser Sessions ist zwar unfassbar vielschichtig, aber es klingt nichtsdestotrotz wie aus einem Guss. Nach einer druckvollen Version von Los Lobos’ „Angel Dance“ zieht Plant ein musikalisches As nach dem nächsten aus dem Ärmel: Auf Interpretationen von „Silver Rider“ und „Monkey“ der amerikanischen Drone-Rocker Low folgen Country- und Gospel-Klänge im Stil der Fünfziger, wenn Plant und seine Band den Sixties-Soul-Klassiker „Falling In Love Again“ von den Kelly Brothers mal eben um ein ganzes Jahrzehnt verpflanzen; dann wiederum sind es eine vom Banjo dominierte und tieftraurige Version von „Satan Your Kingdom Must Come Down“, der über hundert Jahre alte Folk-Klassiker „Cindy, I’ll Marry You Some Day“ und schließlich die klimpernden Blues-Klänge von „Central Two-0-Nine“, denen Plant & Co. einen neuen Anstrich verpassen. Insgesamt hat der 61-Jährige mit „Band Of Joy“ das wohl vielschichtigste Album seiner unvergleichlichen Karriere aufgenommen: Inspiriert von der Musikgeschichte eines ganzen Kontinents, präsentiert er ein leidenschaftliches Wechselbad der Gefühle und setzt damit dem Vorgänger „Raising Sand“ noch einen drauf.

 

„Es gibt keine Herausforderung, der ich mich nicht stellen würde. Im Gegenteil: Ich brauche diese Herausforderungen einfach. Ich muss mich immer wieder in diese Freiräume bewegen und in die Musik mit all ihren Möglichkeiten und all ihren großen Themen eintauchen.“

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 02. August 2010 um 21:35 Uhr
 
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